OSC BREMERHAVEN - TRIATHLON

Olympischer Sport-Club Bremerhaven v. 1972 e.V.

 Ergebnisse / Berichte > Ironman Hawaii

Ironman World Championship Kailua-Kona Hawaii 2017

 

Nach meinen Erfahrungen bei meinem Hawaiidebut im Jahr 2015 wollte ich dieses Mal alles besser machen. So hatte ich ich mein Hauptproblem, die Ernährung, genau ausgetüftelt und erprobt, aber leider kam auch in diesem Jahr wieder alles anders, anders als ich mir gewünscht hätte...

Wie 2015 hatte ich das große Glück, als 5. Dame meiner AK 45-49 bei den Ironman Europameisterschaften am 9.Juli in Frankfurt einen sog. Nachrückerslot zu ergattern. Ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet und mich eigentlich in den Herbstferien schon auf Ibiza am Strand liegen sehen. Aber als mein Name bei der Slotvergabe aufgerufen wurde, musste ich direkt zuschlagen. Wer weiss, ob ich das jemals noch einmal erleben darf, war mein einziger Gedanke. Und so war ich angemeldet für Kona 2017.

Nach einer kurzen Regenerationsphase stellte mein Coach Dr. Florian Hanakam ZeDi Bochum das Training auf kurze spritzige Trainingseinheiten um. Ich hatte mich auch für die Kurzdistanz WM in Rotterdam Mitte September qualifiziert und musste also nach den langen Trainingseinheiten für Frankfurt wieder mehr Frische und Schnelligkeit in meinen Körper zurückholen.

Da ich in der Zwischenzeit eine Vollzeitstelle in der Schule angenommen hatte, musste das ganze Training nach dem Mini- Max Prinzip erfolgen: Mit minimalstem Aufwand das Maximum rausholen.

Und so lief Rotterdam fast perfekt. Siehe Bericht.

Nach Rotterdam blieben nur noch 4 Wochen bis zum Ironman Hawaii. Die Trainingseinheiten wurden wieder länger und ich war selbst überrascht, wie gut sich das Schnelligkeitstraining für Rotterdam auch auf die längeren Distanzen auswirkte!

So ging es mit viel Selbstvertrauen am Dienstag, den 3.10. los nach Kailua-Kona Big Island Hawaii.

10 Tage blieben mir zur Akklimatisierung.

Das fast tägliche Frühschwimmen auf der Wettkampfstrecke mit den vielen bunten Fischen war wieder eins der schönsten Highlights. Das vermisse ich jetzt, zurück an der kühlen Nordseeküste, ganz besonders.

Die organisierten Radausfahrten mit Hannes Hawaii Tours mit vielen anderen Athleten brachten die nötige Lockerheit und reduzierten die Anspannung vor dem Wettkampf. Das Laufen, eigentlich meine beste Disziplin, aber meine Angstdiszplin auf Hawaii, lief im Training auch wider Erwarten für meine Verhältnisse schnell und entspannt. Ich hatte dieses Mal ein gutes Gefühl vor dem Start.

So konnte ich wunderbar schlafen, das Check in lief ohne Zwischenfälle und los gings: Um 7:20am fiel der Startschuss (Kanonenschuß!) für alle 672 Agegrouperfrauen. In der zweiten Reihe platziert, wurde hier von Anfang an ein hohes Tempo geschwommen. Das musste  man zwangsläufig mitgehen, um Schläge und Tritte im Rahmen zu halten. So verliefen die ersten 1900m ziemlich ruppig, erst auf dem Rückweg konnte ich in meinen 3er Rhythmus hineinfinden und das Schwimmen zumindest etwas geniessen. Nach 1:07 aus dem Wasser erfolgte ein schneller Wechel auf’s Rad. Hier hatte ich mir vorgenommen, die 180km ganz locker zu fahren und mich v.a. perfekt zu ernähren, damit der abschließende Marathon nicht schon wieder ein Desaster wird. So erreichte ich mit einer Radzeit gerade noch unter 6h (5:57) die Wechselzone. Obwohl ich mich eigentlich gut fühlte, war mein ganzer Körper am Zittern, als ich im Wechselzelt in die Laufschuhe schlüpfte. Hatte ich zu wenig Flüssigkeit auf dem Rad zugeführt? Laufgürtel an, weiter ging’s. Mir war direkt schon auf dem Weg zum ersten Wendepunkt übel, an Kohlenhydratzufuhr aus dem Laufgürtel war nicht zu denken. Ruhe bewahren, runterkühlen, weitertraben. Nach dem ersten Wendepunkt rutschte meine Pace von 5:30 direkt auf 6:00 ab, so dass leider schon zu diesem frühen Zeitpunkt die Notlösung Cola herhalten musste. Jede Meile 1 Becher plus Wasser. Die Palaniroad mit der 7%igen Steigung konnte ich trotzdem nur noch hochgehen. Hier stand zum Glück mein Mann, dem ich meinen vollen Flaschengurt zuwerfen konnte mit den Worten: Magen ist ok, ich bin nur total fertig! Stell Dich schon mal auf ein 13h Finish ein! Oben auf dem Highway ging’s zunächst im langsamen Laufschritt mit toller lautstarker Unterstützung am Hannes Hawaii Tours Spot weiter leicht bergab. Eine Meile später war an laufen nicht mehr zu denken: Mein Magen schmerzte zu stark. Trinken war nicht mehr möglich, aber dafür runterkühlen mit allem, was mir angereicht wurde: Wasser, Cola, Eis… Langsam weitergehend erreichte ich das Natural Energy Lab. Aus dem Nichts heraus entleerte sich genau hier am höchsten Punkt mein Magen, gefühlte 4 Liter! Direkt fühlte ich mich viel besser und trabte wieder los: Ein Traum hier aufs Meer zuzulaufen mit der untergehenden Sonne im Hintergrund. Bilder für die Ewigkeit! Flüssigkeit konnte ich nun nicht mehr bei mir behalten, das langsame Lauftempo schien zum Glück auch so zu funktionieren. Zurück auf dem Highway war es stockdunkel. Leuchtringe wurden an die Athleten verteilt und stumpf weiterlaufend fieberte ich dem Finish entgegen. Meine Kräfte schienen zu schwinden, bis ich plötzlich meine Familie am Streckenrand ausmachen konnte. Motivation pur, mal wieder zum genau richtigen Zeitpunkt. Einige Meter wurde ich eskortiert, meine Tochter locker in Flip-Flops! So langsam war Mama noch nie unterwegs! Jetzt hieß es nur noch Palaniroad runterlaufen, mit allen verfügbaren Kräfte weiter zum Alii Drive und über den roten Zielteppich mit Aklatschen von unglaublich vielen Menschen ins Ziel fliegen.

U R AN IRONMAN!

 Ich war und bin immer noch sehr dankbar und glücklich über das Finish und alle wunderbaren Erlebnisse auf dieser besonderen Wettkampfreise!

Mahalo und Aloha!

 

Eure Anke

Ergebnis

Gesamt 12:16:14 / 1579. von 2366
Swim    1:07:45 / 18. AK
Rad     5:57:02 / 27. AK
Lauf    5:03:30 / 53. AK von 90
Altersklasse 366. von 672  

Stand: 20.11.2017