OSC BREMERHAVEN - TRIATHLON

Olympischer Sport-Club Bremerhaven v. 1972 e.V.

Ironman World Championchip Hawaii am 10.10.2015

oder "Smile - Race - Finish"

 

Beim ersten Bl├Ąttern in den Unterlagen von Hannes Hawaii Tours sprangen mir sofort zwei Slogans ins Auge:

"Win or Die" sollte das einzig g├╝ltige Motto f├╝r die Profis f├╝r den Raceday sein,

f├╝r die Agegrouper wurde das Motto auf "Smile - Race - Finish" entsch├Ąrft.

Das hatte mich direkt ├╝berzeugt. Genauso sollte mein pers├Ânlicher Raceday aussehen.

Aber es kommt eben immer anders, immer anders als man denkt...

Durch einen gl├╝cklichen Zufall konnte ich mich bei meiner ersten Langdistanz, den Ironmaneuropameisterschaften in Frankfurt am 5.Juli 2015, als vierte Dame meiner Altersklasse als Nachr├╝ckerin (Endzeit: 10 Stunden 47min) f├╝r die Ironmanweltmeisterschaften auf Big Island, Hawaii qualifizieren. Ich war direkt Feuer und Flamme, was f├╝r eine Ehre, beim ├Ąltesten und ber├╝hmtesten Triathlon ├╝ber die Langdistanz starten zu d├╝rfen. Das war mein gr├Â├čtes Ziel, hier wollte ich all das selbst erleben, was ich schon von vielen Erz├Ąhlungen, Bildern, Filmen wusste. So nahm ich nach kurzer Erholungszeit h├Âchstmotiviert in den Sommerferien meine zweimonatige Vorbereitungsphase in Angriff. Es lief gut. Kilometer um Kilometer wurden abgespult, meine letzte lange 32km Laufeinheit mal eben locker in unter 2h 40 absolviert. Ich war top vorbereitet. Von meinem Coach, selbst 2fachen Ironmanhawaiifinisher, bekam ich noch die restlichen Tipps f├╝r das Pacing, Streckenkunde und alles Sonstige, was es in Kona noch zu beachten gab. Einem Finish konnte eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Eine Woche blieb mir zur Akklimatisierung. 30 Grad C und eine Luftfeuchtigkeit von 90% schlauchten mich ganz besonders beim Laufen. Eine 5:15er Pace schien mir dennoch in jedem Fall schaffbar zu sein. Das w├╝rde sicherlich der h├Ąrteste Teil des Rennens werden.
Die Radstrecke fast immer mit Pazifikblick durch die Lavaw├╝ste gefiel mir sehr gut. Meine Hochprofilfelgen hatte ich vorsichtshalber zu Hause gelassen, da der Wind einem besonders als Leichtgewicht das Leben zur H├Âlle machen kann! So war ich ganz entspannt.
Die Schwimmerei in der Bucht von Kailua-Kona ├╝berzeugte mich auf Anhieb: Warmes Wasser, leichter Wellengang, klare Unterwassersicht, Fische, Schildkr├Âten in Reichweite; ein Augenschmaus. Hier sollten sich meine unz├Ąhligen m├╝hsamen Trainingseinheiten im Meerwasserwellenbad Ahoi auszahlen.

Raceday: Check In gegen 5:00am, Bodymarking, Waage, Radpreparierung, netter Austausch mit anderen Altersklassenathleten, Abgabe der verschiedenen "Ausr├╝stungsbeutel" (Gear Bag), Sonnencreme, Dixi, Speedsuit an, auf zum Start.

Der Wasserstart der Altersklassenfrauen erfolgte um 7:10am, 15min nach den Altersklassenm├Ąnnern. In der Mitte in der 2.Reihe hatte ich eine gute Ausgangsposition gefunden.
Die ersten 800m wurden dichtgedr├Ąngt in hohem Tempo angeschwommen, danach galt es schnell den eigenen Rhythmus zu finden, um relativ entspannt und gleichm├Ą├čig die restliche Strecke zu absolvieren. Die ersten Schl├Ąge kassierte ich beim Durchschwimmen des hinteren Drittels des M├Ąnnerfeldes. Die Uhr zeigte 1h09min nach den 3,86 offiziellen Kilometern an, durch die starke Str├Âmung auf dem R├╝ckweg waren einige Meter mehr zusammengekommen.
Schneller Wechsel auf das Rad und hier lockeres Anradeln durch Kona - Palaniroad - auf den Queen KaÔÇÖahumanu Highway.
Hier ging es mit relativ konstanter Herzfrequenz kontrolliert und entspannt weiter.
Kurz vor dem Wendepunkt in Hawi peischte uns starker Gegenwind inclusive Regen entgegen. 2015 hatte ich bereits einige Regenrennen absolviert, ich war also ge├╝bt und zum Gl├╝ck war es warmer Regen!
Nach dem Wendepunkt kurze Zeit enormer R├╝ckenwind. Was f├╝r ein Gl├╝cksmoment mit teilweise 55km/h die Piste entlang zu rasen, leider nur f├╝r kurze Zeit.
Auf dem Queen K Highway zur├╝ck drehte dieser in Seiten- bzw. Gegenwind, so dass hier die Fahrerei zwar anstrengender, aber nie unkontrolliert wurde. An diesem Tag w├Ąren meine 808er Zipps die perfekte Wahl gewesen. Aber das konnte man nicht erahnen. Mit konstanter Herzfrequenz ging es Kilometer um Kilometer weiter, endlich am Hannes Hawaii Tours Hot Spot vorbei, wo meine Familie jubelnd am Streckenrand auf mich wartete. Ein erneuter Motiavtionsschub.
Kurz vor der Wechselzone in Kona ├╝berholte mich ein Pulk Frauen. Ich hatte keine Chance, mich zur├╝ckfallen zu lassen. Die Race-Marshals schienen den Trupp verfolgt zu haben. Der ganze Pulk kassierte eine blaue Karte inclusive einer 5min├╝tigen Zeitstrafe. Ich ebenso... Meine erste ├╝berhaupt, ausgerechnet hier... Ich f├╝hlte mich ungerecht behandelt, musste aber so akzeptieren. Gesamtzeit Rad (180,2km / 1500HM) 6:02 (incl. 5min Penalty).
Schneller Wechsel zum Laufen.
Die ersten Kilometer zu Fu├č f├╝hlten sich sehr langsam an, die Uhr zeigte mir aber einen 5er Schnitt an. Alles bestens!
Allm├Ąhlich konnte ich in meinen Laufrhythmus hineinfinden und f├╝hlte mich gut.
Ich hatte keine Eigenverpflegung f├╝r die Laufstrecke eingeplant und war auf die Versorgung vom Veranstalter angewiesen. Jede Meile ein Becher Gatorade und Wasser, das sollte mich die 42km in der Spur halten.
Am Ende des AliÔÇÖi Drives kurz bevor es die Palaniroad hochgeht, machte sich mein Magen das erste Mal unangenehm bemerkbar.
Blo├č keine Magenkr├Ąmpfe jetzt!
Oben an der Palaniroad angekommen, verst├Ąrkten sich die Kr├Ąmpfe und Schmerzen. Ich schien die Verpflegung nicht vertragen zu haben!
Ein paar hundert Meter weiter auf dem Queen K Highway hatte sich wieder der Hannes Hawaii Tours Fanclub un├╝berseh- und h├Ârbar positioniert.
Hier stand endlich meine Familie und feuerte mich erneut lautstark an. Gro├č war die Motivation, aber meine Beschwerden lie├čen sich leider dadurch nicht lindern.
Ab Laufkilometer 18 war dann komplett Schluss mit Laufen. Von Kr├Ąmpfen gebeutelt musste ich ab jetzt weitermarschieren.
Kurze Zeit sp├Ąter wurde ich selbst von vielen Gehern ├╝berholt, da nun auch z├╝giges Gehen nicht mehr m├Âglich war.
Geh- und Brechphasen wechselten sich ab jetzt ab.
Wenig sp├Ąter entwickelte ich auch noch R├╝ckenschmerzen.
Nach dem Wendepunkt im Natural Energy Lab waren die Schmerzen nur noch durch kurzes Innehalten in der Hockposition tolerierbar.
Die D├Ąmmerung setzte ein. Schritt f├╝r Schritt ging es weiter und weiter.
Oben auf dem Highway zur├╝ck wurde es schnell stockfinster.
Es waren keinerlei Orientierungspunkte mehr vorhanden. Mir wurde schwindelig.
Und so kam mein verzweifelter Griff zur H├╝hnerbr├╝he.
Keine Linderung, nur Krampf.
Trotzdem wollte ich weiter. Es gab keine andere Wahl.
Es wurden Leuchtringe an die Athleten verteilt, damit diese im Dunkeln gut zu erkennen sind.
Helfer radelten die Strecke ab. Immer wieder wurde ich gefragt, wie es mir geht.
Automatisch antwortete ich "thank you, I am fine". Glatt gelogen. Insgeheim schielte ich nach dem Gep├Ącktr├Ąger.
Alle vorgenommenen Laufsplits interessierten schon l├Ąngst nicht mehr. Es ging f├╝r mich nur noch um das Erreichen der Finishline. Das war die Weltmeisterschaft, eine Ehre hier starten zu d├╝rfen, deshalb war ich hier, das wollte ich zu Ende bringen. So rechnete ich hoch, ob das Finish im erlaubten Zeitfenster schaffbar sein k├Ânnte. Es war machbar, ich musste nur durchhalten.
Pl├Âtzlich kam mir ein Radfahrer entgegen gefahren. Es war Guido.
Genau im richtigen Moment. Er motivierte mich, nicht komplett stehen zu bleiben, sondern nach den kurzen Brech- und St├╝tzphasen immer wieder weiterzugehen.
Bei km 40 kam dann die erl├Âsende Brechattacke. Schnelles Gehen war nun wieder drin.
Die letzten 500m absolvierte ich laufend mit Abklatschen der jubelnden Zuschauer bis zur Finishline: "U R an IRONMAN", unfassbare Freude und Stolz nicht aufgegeben zu haben!
Gesamtzeit 13:52, 3h l├Ąnger als geplant, aber KONAFINISHER!

Fazit: Ich war top vorbereitet. Mein K├Ârper hat an diesem Tag nicht mitgespielt. Ich habe die Nahrung nicht vertragen. Ich habe gut in mich hineingehorcht und zu keiner Sekunde meinen Gesundheitszustand ignoriert oder gar riskiert. Unfassbar dankbar, dass ich das Gl├╝ck hatte, dabei sein zu d├╝rfen.

 

Anke Schmitz-Elvenich

 
letzte Änderung: 20.11.2015
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